Ich grüße Euch werte Herrschaften,

ich sehe ihr betrachtet mein Banner und fragt Euch wie ein armseliger Tagelöhner zu einem eigenen Wappen kommt. Wenn ihr einen Moment Zeit habt, will ich Euch meine Geschichte erzählen.

Geboren wurde ich in Astnide im Hause meines Vaters, er war von adeligem Geblüt und hatte von der Äbtissin das Bergrecht verliehen bekommen. Meine Mutter war die Küchenmagd und spätere Mätresse meines Vaters.

Ich wurde offiziell nie als Sohn anerkannt, durfte aber zusammen mit den ehelichen Söhnen den Unterweisungen des Schreibers und der Gelehrten beiwohnen. Mein Herr Vater verlieh mir sogar das Recht sein Wappen - schwarzer Hammer und Schlägel auf silbernem Gund für das Bergrecht und das Goldene Richtschwert auf blauem Grund für die Herkunft aus Astnide - zusammen mit dem Bastardfaden zu führen. Auch in der Waffenkunst wurde ich von den Söldnern meines Vaters eingewiesen und sollte als Knappe einem Adeligen im benachbarten Lehen dienen.
Leider ist es dazu nicht mehr gekommen, mein Herr Vater starb bei einem Jagdunfall und am selbigen Tage wurden meine Frau Mutter und ich von der eifersüchtigen Familie in Schimpf und Schande vom Hof gewiesen. Kurz darauf starb meine Frau Mutter vor Gram und an der Keuche.
Seither musste ich mich als Tagelöhner verdingen, mein einziger Besitz waren die Kleider welche ich am Leibe trug und mein Banner. Mittlerweile habe ich vielen Herrn gedient, Bauern, Handwerkern und auch - dank des Banners welches meine Bildung und Herkunft ausweist - in herrschaftlichen Häusern. Zeitweilig schloss ich mich auch Heerlagern und Söldnertruppen an und fand eine Heimat bei einer unherziehenden Truppe Gaukler und Musici, dem Dithmarscher Krähenvolk dessen Zeichen auch mittlerweile mein Banner ziert.
Ich sehe Euch die Stirn runzeln, Ihr fragt Euch sicherlich wenn ich das Wappen derartig ändere das es vom Wappen meines Herrn Vater abweicht warum es noch den Bastardfaden trägt? Nun, der Faden soll mich immer daran erinnern wer den Tod meiner Frau Mutter zu verantworten hat und das ich diese Schuld irgendwann einfordern werde.

Vor einiger Zeit war ich ein Stück des Weges gemeinsam mit dem Bergsträßer Burgvolk unterwegs und besuchte einen Markt am Rhein unterhalb des neuen Domes. Das Wetter zeigte sich von seiner übelsten Seite, es regnete in Strömen und kalter Wind ließ uns im Sommer frieren. Voller Mitgefühl teilte ich meinen Mantel mit der vor Nässe und Kälte zitternden Magd Svana des Burgvolkes. Nach dem Markt trennten sich die Wege, jedoch zum Markt des nächsten Jahres trafen wir uns wieder und seitdem begleitet mich Svana auf meinen Wanderungen. Das Markttagebuch von Svana findet Ihr hier

Nun kennt Ihr meine Geschichte hohe Herrschaft, habt Ihr vielleicht Arbeit gegen Kost und Logis und einige Kupferstücke für Euren untertänigsten Diener?

 

Kopf1